Über eine Zeit, in der das Alte aufbricht, das Neue noch keine Form hat und ich manchmal selbst nicht weiß, was eigentlich gerade mit mir geschieht.
Wie oben, so unten
5. August 2026

Wie oben, so unten
- August 2026
Über eine Zeit, in der das Alte aufbricht, das Neue noch keine Form hat und ich manchmal selbst nicht weiß, was eigentlich gerade mit mir geschieht.
Etwas bricht auf
Ich schaue im Moment häufig in den Himmel und habe das Gefühl, dort etwas zu sehen, das sich gleichzeitig überall um mich herum zeigt.
Altes bricht auf.
Neues entsteht.
Nur ist das Neue noch nicht fertig.
Es hat noch keine klare Form.
Vielleicht ist genau das der Teil, der sich so unruhig anfühlt.
Wenn etwas Altes endet und das Neue bereits vollständig vor uns steht, können wir einfach hinübergehen.
Doch was passiert, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht sichtbar ist?
Dann entsteht ein Zwischenraum.
Vielleicht befinden wir uns gerade genau dort.
Astrologisch nehme ich zurzeit eine starke Bewegung von Veränderung wahr.
Etwas möchte sich lösen.
Alte Strukturen werden porös.
Gewohnte Sicherheiten verlieren ihre Selbstverständlichkeit.
Es geht um Macht, Identität, Freiheit, Verbindung und darum, wie wir miteinander leben wollen.
Für mich fühlt sich diese Zeit nicht danach an, dass ein bisschen an der alten Ordnung herumgebessert wird.
Es fühlt sich grundlegender an.
Als würde etwas fragen:
Was davon gehört überhaupt noch in die neue Zeit?
Und was darf gehen?
Wenn ich mich umschaue, sehe ich dieselbe Frage in der Welt.
Die Welt im Zwischenraum
Es fällt mir schwer, das Weltgeschehen gerade als stabil zu empfinden.
An vielen Stellen wird um Macht gerungen.
Alte Bündnisse verändern sich.
Kriege zeigen mit brutaler Deutlichkeit, wie fragil das ist, was wir Ordnung nennen.
Politische Systeme geraten unter Druck.
Menschen verlieren Vertrauen in Institutionen, Medien und Regierungen.
Gleichzeitig entwickeln wir Technologien, die innerhalb kürzester Zeit verändern könnten, wie wir arbeiten, denken, kommunizieren und vielleicht sogar, wie wir uns selbst als Menschen verstehen.
Alles scheint gleichzeitig zu geschehen.
Zerstörung und Erfindung.
Festhalten und Aufbruch.
Angst vor Veränderung und eine enorme Sehnsucht nach etwas Neuem.
Manchmal wirkt es auf mich, als würde die Welt versuchen, eine Form aufrechtzuerhalten, die längst zu klein geworden ist.
Und je stärker etwas versucht, sich festzuhalten, desto deutlicher werden die Risse.
Vielleicht ist das der Grund, warum Veränderung zunächst oft wie Verschlechterung aussieht.
Das Alte wird nicht unbedingt sofort leiser.
Manchmal wird es lauter.
Vielleicht weil wir es erst dann wirklich sehen.
Und während ich auf diese Bewegung in der Welt schaue, merke ich:
Ich kenne sie.
Ich erlebe sie gerade selbst.
Auch unsere alte Form trägt nicht mehr
In meiner Partnerschaft verändert sich etwas Grundlegendes.
Wir waren lange in einer co-abhängigen Dynamik.
Und obwohl wir beide eigentlich etwas anderes wollen, scheint das Alte gerade nicht einfach zu verschwinden.
Im Gegenteil.
Die Spannungen werden sichtbarer.
Das Ziehen.
Das Reagieren.
Das Bedürftige.
Die Erwartung, dass der andere etwas anders machen müsste, damit es einem selbst besser geht.
Du machst dies.
Du machst das.
Hör auf damit.
Mach es anders.
Ich merke immer deutlicher, dass ich darauf keine Lust mehr habe.
Ich möchte meine Partnerin nicht erziehen.
Und ich möchte auch nicht erzogen werden.
Ich möchte nicht ständig daran herumarbeiten, wie sie spricht, handelt oder reagiert, damit meine innere Welt wieder stimmt.
Ich möchte Partnerschaft.
Für mich bedeutet Partnerschaft nicht, dass der andere keine Themen in mir berühren darf.
Das wäre vermutlich gar keine Beziehung mehr.
Im Gegenteil.
Ich glaube, dass gerade Partnerschaft unglaublich viel sichtbar machen kann.
Nicht weil der andere mich darauf hinweist.
Sondern weil etwas durch die Begegnung sichtbar wird.
Der andere tut etwas.
Oder tut etwas nicht.
Und plötzlich entsteht eine Bewegung.
Vielleicht werde ich wütend.
Vielleicht werde ich bedürftig.
Vielleicht zieht sich meine Partnerin zurück.
Vielleicht beginne ich zu ziehen.
Und etwas, das vorher unsichtbar war, steht plötzlich mitten zwischen uns.
Das finde ich inzwischen viel interessanter als die Frage, wer von uns recht hat.
Was zeigt sich hier eigentlich?
Wenn einer etwas für das System ausdrückt
In Aufstellungen habe ich immer wieder erlebt, dass Menschen etwas zum Ausdruck bringen, das nicht nur persönlich zu ihnen gehört.
Einer steht plötzlich voller Wut da.
Ein anderer möchte weg.
Jemand wird klein.
Jemand beginnt zu weinen.
Und manchmal verändert sich etwas in dem Moment, in dem sichtbar wird, wofür dieser Ausdruck eigentlich steht.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf Partnerschaft verändert.
Ich habe selbst Situationen erlebt, in denen ich unglaublich aggressiv wurde.
Natürlich kam diese Aggression durch mich.
Natürlich bin ich verantwortlich dafür, wie ich mit ihr umgehe.
Und trotzdem blieb manchmal das Gefühl:
Ich will diesen Job eigentlich gar nicht haben.
Ich möchte nicht diejenige sein, die so laut werden muss, damit etwas sichtbar wird.
Gerade scheint sich dieses Muster noch einmal an einer anderen Stelle zu zeigen.
Im Bedürftigen.
Ich merke, wie Bedürftigkeit in mir auftaucht.
Wie sie mich greifen kann.
Wie ich Nähe möchte.
Sicherheit.
Eine Antwort.
Irgendetwas, das mir sagt, dass alles in Ordnung ist.
Und gleichzeitig gibt es in mir einen Teil, der darauf schaut und denkt:
Was ist hier eigentlich los?
Warum ist das gerade so stark?
Ist das wirklich alles meins?
Oder bringe ich gerade etwas zum Ausdruck, das zwischen uns vorhanden ist?
Vielleicht ist genau das die Spannung, die gerade sichtbar werden muss.
Wir wollen eine neue Partnerschaft.
Aber das alte Beziehungssystem existiert noch.
Und vielleicht versucht es gerade noch einmal mit aller Kraft, seine bisherigen Rollen zu verteilen.
Einer braucht.
Einer hält.
Einer zieht.
Einer geht.
Einer wird wütend.
Einer beruhigt.
Solange jeder seinen gewohnten Platz einnimmt, funktioniert das alte System.
Nur möchte ich meinen alten Platz nicht mehr.
Und plötzlich gerät alles ins Wanken.
Und dann wird es in mir chaotisch
Genau hier führt mich diese Bewegung noch eine Ebene tiefer.
Denn das Aufbrechen findet nicht nur zwischen meiner Partnerin und mir statt.
Es findet in mir statt.
Und dort fühlt es sich gerade nicht besonders geordnet an.
Es ist chaotisch.
Viele Ängste sind da.
Und vielleicht ist das Schwierigste daran, dass ich häufig gar nicht weiß, was eigentlich los ist.
Ich bin es gewohnt, mich zu beobachten.
Ich kann viel reflektieren.
Ich kann Zusammenhänge herstellen.
Ich kann ziemlich tief in meine eigenen Bewegungen hineingehen.
Doch was mache ich, wenn selbst diese Orientierung wegfällt?
Wenn ich etwas fühle und nicht weiß, woher es kommt?
Wenn ich bedürftig werde und gleichzeitig nicht verstehe, warum?
Wenn Angst da ist, aber ich nicht eindeutig sagen kann, wovor ich eigentlich Angst habe?
Vor ein paar Tagen hatte ich während einer Rückführung ein Erleben, das genau an diese Stelle reicht.
Ich hatte kaum Zugriff auf mein persönliches Ich.
Stattdessen war da etwas in mir, das sich fremd anfühlte.
Und ich brachte zum Ausdruck, was dieses Fremde in mir trug.
Diese Erfahrung hat etwas in mir verschoben.
Denn ich war bisher sehr daran gewöhnt, das, was in mir auftaucht, sofort mir zuzuordnen.
Meine Angst.
Meine Wut.
Meine Bedürftigkeit.
Mein Problem.
Meine Verantwortung.
Ich glaube weiterhin an Eigenverantwortung.
Aber vielleicht bedeutet Eigenverantwortung nicht, dass ich alles, was durch mich hindurchgeht, sofort zu meinem persönlichen Eigentum erklären muss.
Vielleicht bedeutet sie auch, unterscheiden zu lernen.
Was ist meines?
Was gehört zu einer alten Erfahrung?
Was gehört zu meinem Familiensystem?
Was gehört zu einer Bewegung zwischen zwei Menschen?
Was bringe ich vielleicht gerade zum Ausdruck?
Und was möchte ich davon überhaupt weitertragen?
Vielleicht entsteht das Chaos gerade deshalb, weil alte Zuordnungen nicht mehr funktionieren.
Ich kann nicht mehr einfach sagen:
Das bin ich eben.
Genauso wenig kann ich sagen:
Das ist alles der andere.
Etwas dazwischen öffnet sich.
Und dort weiß ich gerade häufig nicht, was los ist.
Vielleicht macht mir genau das Angst.
Wie oben, so unten
Wenn ich all diese Ebenen nebeneinanderlege, sehe ich dieselbe Bewegung.
Am Himmel nehme ich eine Zeit wahr, in der alte Formen aufbrechen und etwas Neues entstehen möchte.
In der Welt sehe ich Systeme, Sicherheiten und Machtverhältnisse, die ihre bisherige Selbstverständlichkeit verlieren.
In meiner Partnerschaft trägt unsere alte Form nicht mehr.
Und in mir verlieren sogar manche Vorstellungen davon ihre Sicherheit, wer ich bin und was eigentlich zu mir gehört.
Wie oben, so unten.
Wie außen, so innen.
Vielleicht sind diese Bewegungen für mich nicht voneinander getrennt.
Vielleicht ist es dieselbe Bewegung in unterschiedlichen Größen.
Die Welt kann noch nicht vollständig wissen, welche Ordnung als Nächstes entsteht.
Wir wissen noch nicht vollständig, welche Form unsere Partnerschaft annehmen wird.
Und ich weiß gerade manchmal nicht einmal, was in mir eigentlich passiert.
Vielleicht ist genau das der Zwischenraum.
Das Alte ist noch sichtbar.
Manchmal sogar erschreckend deutlich.
Das Neue ist bereits da.
Aber noch nicht so, dass ich es greifen könnte.
Und dazwischen steht die Angst.
Denn das Alte kann ich wenigstens benennen.
Selbst wenn ich es nicht mehr möchte.
Ich kenne Co-Abhängigkeit.
Ich kenne Ziehen.
Ich kenne Bedürftigkeit.
Ich kenne Aggression.
Ich kenne die alten Rollen.
Das Neue kenne ich nicht.
Vielleicht besteht meine Aufgabe deshalb gerade gar nicht darin, sofort zu wissen, wie es weitergeht.
Vielleicht besteht sie darin, nicht aus Angst wieder das Alte herzustellen.
Nicht wieder zu ziehen, nur weil ich die Verbindung gerade nicht spüre.
Nicht wieder einen alten Job zu übernehmen, nur weil das System dadurch vertrauter wird.
Nicht alles sofort erklären zu müssen, nur weil das Nichtwissen unangenehm ist.
Vielleicht darf ich einen Moment darin stehen.
Zwischen dem, was nicht mehr trägt, und dem, was noch keine Form hat.
Vielleicht sieht Neuordnung so aus
Ich habe lange gedacht, Veränderung müsste sich irgendwann gut anfühlen.
Klar.
Befreiend.
Wie eine Tür, durch die man geht und auf der anderen Seite endlich versteht, warum alles so kommen musste.
Im Moment fühlt sie sich nicht so an.
Sie fühlt sich chaotisch an.
Manchmal beängstigend.
Manchmal befreiend.
Manchmal bin ich überzeugt, etwas verstanden zu haben, und einen Tag später weiß ich wieder überhaupt nichts.
Vielleicht ist das gar kein Widerspruch.
Vielleicht sieht Neuordnung genau so aus, wenn man nicht von außen auf sie schaut, sondern mitten in ihr steht.
Das Alte fällt nicht ordentlich auseinander.
Das Neue erscheint nicht fertig.
Dazwischen bewegt sich alles.
Die Welt.
Unsere Partnerschaft.
Ich.
Und vielleicht muss ich gerade nicht wissen, wo alles seinen neuen Platz finden wird.
Vielleicht reicht es zunächst zu sehen, dass es sich bewegt.
Wie oben, so unten.
Etwas bricht auf.
Etwas Neues entsteht.
Und ich befinde mich mittendrin.
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