Werde endlich persönlich

3. August 2026

Werde endlich persönlich

Erst jetzt erkenne ich die Linie, die durch viele meiner schmerzhaftesten Begegnungen führt.

Was ich über Seelenverträge wusste

Im Therapiezentrum Eisenbuch und im Seminarhaus Linden bin ich einem Weltbild begegnet, das auch meinem entspricht: Wir treffen auf Seelenebene Verabredungen miteinander, an die wir uns als Menschen nicht mehr erinnern.

Eine Parabel von Neale Donald Walsch erzählt davon, dass eine Seele für eine andere eine schwierige Rolle übernimmt, damit eine bestimmte Erfahrung möglich wird. Auf der Erde begegnen sie einander, ohne sich an diese Verabredung zu erinnern.

Dieses Weltbild ist mir seit Jahren vertraut. Ich habe mit Seelenbildern, Stellvertreterrollen und Regressionen gearbeitet. Doch mein spirituelles Verständnis schützte mich nicht vor dem, was Begegnungen in meinem Körper auslösten.

Nachdem ich über meine innere Wand geschrieben hatte, fragte ich mich, weshalb ich mich überhaupt von der Verbindung abgeschnitten hatte.

Weil es zu sehr wehgetan hatte.

Die Menschen, die meine Wunden fanden

Vor ungefähr sechs Jahren begann ich meine Ausbildung in Familienstellen und Regressionstherapie. Während dieser Zeit trennte ich mich von meiner Partnerin, mit der ich acht Jahre zusammen gewesen war.

Mit der Trennung verband sich eine Hoffnung: Ich glaubte, sie würde mir nun endlich zeigen, dass sie wirklich mit mir zusammen sein wollte. Stattdessen brach mein bisheriges Leben auseinander.

Gleichzeitig hatte ich gerade ein großes Thema aus meiner Kindheit geöffnet. Was dabei zum Vorschein kam, verwirrte mich zutiefst. In diesem Zustand begegnete ich einer Frau, die so tief in meine offenen Wunden griff, dass ich irgendwann nicht mehr wusste, wo oben und unten war.

Unsere Begegnung mündete in einem großen Drama in Paris. Am 31. Dezember fuhr ich vollkommen desillusioniert nach Hause. Wie ein geprügelter Hund.

Seit ungefähr einem halben Jahr hatte ich kaum geschlafen. Meine Eltern ließen mich versprechen, dass ich mir nichts antun, meine Schlaftablette nehmen und ins Bett gehen würde.

Ich versuchte nur, diese Nacht zu überleben.

Etwa ein Jahr nach Paris wollte ich meine ehemalige Partnerin zurück. Sie sagte mir, dass sie zu diesem Zeitpunkt keine Partnerschaft wolle. Zwei Wochen später teilte sie mir mit, dass sie eine neue Freundin hatte.

Andere Verletzungen kamen hinzu: das Schweigen nach einem Konflikt im Skilager, die Bemerkung, ich sei mit meinem Philosophieren und den schweren Themen anstrengend, die Aussage, ich sei nicht anziehend. Ein Spitzname aus meiner Kindheit wurde bewusst benutzt, obwohl ich gesagt hatte, dass ich nicht so genannt werden wollte. Partnerinnen wollten nicht mehr heiraten oder keine Kinder mehr bekommen. Pflanzen, die mir Freude machten, landeten im Müll.

Auch Erika gehört zu den Menschen, die mich verletzt haben. Nach meiner Erinnerung sagte sie mir, sie habe während eines Kurses Angst gehabt, mich zu heilen, weil ich lesbisch bin. Später erlebte ich ihr Handeln so, als wolle sie auch meine Partnerin heilen.

Ausgerechnet Erika channelte vor drei Jahren sinngemäß, dass wir ein anderes Verständnis von Schmerz entwickeln dürfen.

Damals konnte ich mit diesem Satz noch nichts anfangen.

In diesem Frühjahr begegnete ich erneut einem Menschen, der meine empfindlichen Stellen sehr genau traf. Ich hörte, meine Sprachnachrichten seien zu lang, ich sei zu viel, anstrengend und grenzüberschreitend.

Diesmal lief ich nicht weg.

In meiner letzten Sprachnachricht weinte ich und erklärte, dass ich da bin und da bleibe, auch wenn es wehtut.

Darauf bin ich stolz.

Vom Schmerz zur Persönlichkeit

Mitten in dieser Begegnung verstand ich plötzlich Erikas Satz.

Unter all den verschiedenen Erfahrungen hörte ich eine gemeinsame Aufforderung:

Werde endlich persönlich.

Persönlich zu werden bedeutet für mich, den Schmerz nicht auf der Ebene eines spirituellen Konzepts zu halten. Ich lasse zu, dass er mir Kontur gibt: eine eigene Stimme, eigene Entscheidungen und eine Form, in der ich mich erkenne.

Wie ein Diamant, dessen Licht durch den Schliff sichtbar wird.

Auf der menschlichen Ebene handelten all diese Menschen aus ihren eigenen Beweggründen. Innerhalb meines Weltbildes erkenne ich in ihnen zugleich Seelen, die schwierige Rollen für mich übernahmen.

Und plötzlich bin ich dankbar.

Danke an euch alle.

Danke. Danke. Danke.

Es tut mir leid, dass ich es damals nicht verstanden habe, abgehauen bin und den Kontakt abgebrochen habe, weil es so wehgetan hat.

Heute kann ich bleiben.

Ich bin eine Perlentaucherin

Und dann fällt mir Suna ein.

In meinem Kinderbuch Suna und die Perle des Meeres geht sie ins Meer, um eine Perle zu holen.

Eine Perle beginnt mit einem winzigen Fremdkörper, der in das empfindliche Innere einer Muschel eindringt. Weil sie ihn nicht hinausbefördern kann, umhüllt sie ihn Schicht für Schicht mit Perlmutt.

Nicht der Fremdkörper ist das Schmuckstück.

Das Schmuckstück entsteht aus der Reaktion der Muschel.

Ich hatte diese Geschichte geschrieben, bevor ich ihre Bedeutung für mein eigenes Leben erkannte. Auch in mich drangen Worte und Handlungen ein, die blieben, rieben und schmerzten. Was ich darum wachsen ließ, kam aus mir.

Suna taucht nach der Perle.

Heute weiß ich, dass auch ich tauchen kann.

Ich bin eine Perlentaucherin.

Wie Suna in meinem Buch Suna und die Perle des Meeres, das am 31. Oktober 2026 erscheint.

Suna und die Perle des Meeres

Ein Kinderbuch über das Tauchen nach dem, was aus eigener Kraft gewachsen ist. Erscheint am 31. Oktober 2026.

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